Am 28. April 1983 veröffentlichte das Hamburger Nachrichtenmagazin "Stern" unter großem Getöse die ersten Auszüge aus den geheimen "Tagebüchern" Adolf Hitlers. Eine bereits angelaufene Echtheitsuntersuchung von Seiten des Bundeskriminalamtes - die die Bücher im Nachhinein als Fälschung entlarvten - wollte man nicht abwarten. Die am 24. April 2023 anlaufende Doku-Serie "Der Hitler-Fake: Geschichte einer Jahrhundertfälschung", wirft noch einmal einen kritischen Blick auf einen der größten Medienskandale der Bundesrepublik.
Wie schnell aus einer bahnbrechenden Entdeckung eine peinliche Blamage werden kann, zeigte der Skandal um die gefälschten "Hitler-Tagebücher", die das Magazin "stern" im April 1983 vorstellte. Auf einem Sommer der Begeisterung, folgte ein langer Winter der großen Enttäuschung. Am 25. April hatte man - trotz noch nicht abgeschlossener Echtheitsuntersuchungen des Bundeskriminalamtes - damit begonnen, einzelne Passagen aus den "Hitler-Tagebüchern" zu veröffentlichen.Knapp zwei Wochen später, am 6. Mai, erfolgte das Ergebnis des BKAs: Es handle sich zweifelsfrei um Fälschungen. Man war auf einen gigantischen Betrug hereingefallen. Wer aber könnte an solch einer Geschichtsfälschung Interesse gehabt haben? Und was sollte mit diesem Coup erreicht werden? Unter andere mit diesen Fragen beschäftigt sich die Doku-Serie "Der Hitler-Fake: Geschichte einer Jahrhundertfälschung", die ab dem 24. April 2023 in der ARD Mediathek verfügbar sein wird.
Mit dabei ist der Reporter Gerd Heidemann, der damals die vermeidlichen Hiterl-Tagebücher für den "stern" erwarb. Der heute 91-Jährige fühlt sich zu unrecht an den Pranger gestellt. Für das Projekt "Der Hitler-Fake" öffnet er nun erstmals sein umfassendes Archiv und macht daraus auch bislang unveröffentlichte Dokumente zugänglich. Außerdem bekommen wir erstmals die aufgezeichneten Telefonate mit dem Fälscher Konrad Kujau abgespielt, die ebenso bizarre wie verstörende Details der Betrugs deutlich machen.
Holocaust relativieren: Hitler und die guten Absichten
Doch auch vor dem Hintergrund dieser Einblicken und Beweise sind längst nicht alle Fragen geklärt. Was bewegte den Fälscher Kujau, so explizit über Hitlers Privatleben zu schreiben, über Hunde, Magenverstimmungen, über Eva Braun und homosexuelle NS-Funktionäre? Fernab der gefälschten "Hitler-Tagebücher" wird in "Der Hitlert-Fake" noch eine andere Saite angespielt, die im Tumult des damaligen Medienskandals untergegangen ist: In Büchern relativiert Kujau den Holocaust, entlastet Hitler und das deutsche Volk, die, so impliziert es der Text, für den millionenfachen Mord nicht in die Verantwortung gezogen werden können. Der "Führer" erscheint plötzlich als eine Gestalt, die im Grunde mit guten Absichten auftritt.
Alt-Nazis und Hitler-"Reliquien"
Die Dokumentation "Der Hitler-Fake: Geschichte einer Jahrhundertfälschung" - die von Christian Bock im Auftrag von SWR, NDR und rbb produziert wurde - blickt darüber hinaus auch auf das Netzwerk alter Nazis, das um Heidemann herum existierte. Außerdem zeugt der Film, dass die Sammelleidenschaft von Hitler-"Reliquien" in bestimmten Kreisen nach wie vor ungebrochen ist.
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