Fachkräftemangel

Vorlesen
- 3 Seiten -

Dieser Aufruf kommt leider eine Generation zu spät. Die Kinder derer, die sich nun besinnen und um Hilfe rufen, studieren nun oder stehen nach ihrem Studium mitten im Leben. Tatsächlich gab es noch nie so viele Studierende in Deutschland, wie jetzt. Das ist doch gut, oder nicht? Der Akademisierungswahn der letzten Generation trägt nun endlich Früchte. Nun können die Sprösslinge endlich die ihnen in die Wiege gelegte Prophezeiung erfüllen und sich einen Platz an der Spitze der Pyramide sichern – jetzt, da sie schließlich Akademiker sind. Väter und Mütter platzen vor Stolz, denn sie wissen: Der Abschluss ist das Maß aller Dinge. Wer möchte schon mit seinem Pfleger-Sohn oder seiner Schreiner-Tochter prahlen?

Also, ein Bachelor muss her. Ein Master? Noch besser! Worin? Egal. Hauptsache keine Geisteswissenschaft oder Musik – was sollen die Eltern mit einer gescheiterten Künstlerin oder einem Schwätzer als Kind? Anwältin, das wäre mal was; oder Ingenieur; oder Chefarzt! Wisst ihr, was sie verdienen? Damit hat das Kind sicherlich ausgesorgt und studieren kann heutzutage bekanntlich jeder, die Möglichkeiten sind schier endlos und müssen ergriffen werden. Warum nicht vom eigenen Kind? In einer Welt, in der Träume wahr zu werden scheinen, in der die Menschen alles werden können, was sie wollen, ist es da so verwerflich, das Beste für sein Kind zu wollen?

Nun ist mir bewusst, dass es eine sehr überspitzte Darstellung der Realität zu sein scheint und doch weiß ich, dass viele junge Menschen meiner Generation diese Worte mit den Stimmen ihrer Eltern lesen. Ich weiß, dass es für viele eben keine überspitzte Darstellung, sondern die Realität ist. Ganz unverblümt wird am Esstisch die Zukunft gemalt, wie sie ohne einen Abschluss aussehen wird: Armut, Schulden, Unglück, Perspektivlosigkeit. Die vier Reiter der nicht akademischen Laufbahn. Die rettende Lösung: Das Studium. Besonders Eltern mit geringem Einkommen und ganz besonders Eingewanderte sind sich dieser Tatsache sicher. In meinem Fall traf beides zu.

Was bedeutet das nun für uns als Kinder? In Ermangelung eines Plans: Absolute Fremdbestimmung. Wieso denn auch nicht? Wer weiß denn schließlich als Jugendlicher oder junger Erwachsener, was er oder sie wirklich will? Wir haben nie wollen gelernt. Wer von uns weiß schon, was wirklich gut für uns ist? Die Eltern. Könige, Richter und Vollstrecker. Die Legislative, Judikative und Exekutive unseres jungen Lebens. Die heilige, allwissende und unbestreitbar gutmütige Instanz, der es blind zu vertrauen und zu gehorchen gilt.

Gefällt mir
2
 

Weitere Freie Texte

Freie Texte

Requiem of the night

Maria Angelina Heinz

A moonless sky, a shadows kiss Far away from heavens lights There in my very own abyss Its requiem the darkness writes. Instead of tones fine drops of blood My mind long gone, my feelinds dead I ́m lying face down in the mud, No strength to raise my bloody head. Darkness is good, darkness is kind The cold, once enemy, now friend In my lost and twisted mind My paradise has found its end. The deepest can fall kings and queens It hurts like hell, I can ́t pretend But that pain makes me spread my ...
Freie Texte

Running away with the bad boy

Maria Angelina Heinz

You were good, you were kind, You were everything I needed. You had made up your mind, You played fair and never cheated. A sensible gentleman Like my parents always prayed for. I did not take your hand, Someone shook my heart right to the core. “Stay away from my girl”, he said. Is this something I will regret? Throwing safety away for joy, I ran away with the bad boy. He was bold, he was wild, But for me he calmed his temper. Once we had our first child He quit smoking, lost all anger. He was ...
Freie Texte

Leben, nicht leben

Rose

Du willst nicht leben, du willst leben. Nicht Tag nach Tag Und nicht Ausatmen nach Ausatmen Sondern jeden Tag als Chance sehen Jeden Atemzug nutzen um in die Welt zum schreien, dass du leben willst. Er will nicht leben, er will leben. Nicht leere Worte Und nicht Schritt nach Schritt Sondern jedes Wort aus dem Herzen ziehen Jeden Schritt nutzen um zu laufen und in die Welt zu schreien, dass er leben will. Ich wollte nicht leben, ich wollte leben. Ich sehe euch von meinem Platz aus Sehe wie ihr ...
Freie Texte

Karussell der Gedanken

Jessica Ebenrecht

Manchmal, Wenn das Karussell der Gedanken sich dreht Ein herabziehender Strudel entsteht Der Wind urplötzlich anders weht Und man keinen Ausweg mehr sieht Gedanken sind nicht die reale Welt Aus einem werden zwei, aus zwei dann drei Sie gaukeln uns vor, was uns nicht gefällt Nehmen uns viel, sind dann nicht mehr frei Dabei wird alles vermischt zu einem Einheitsbrei Sie halten uns fest, mit Starrsinn und "Recht" Und füttern unsere Sorgen, Ängste und Kummer Wohl wissend, diese sind nicht echt ...
Freie Texte

Die Statue von Bernini

Patricia Vellard

...... Als sie die Kirche betrat, umspielte Paulines Nase sofort ein sanfter Hauch von Weihrauch. Die schwere Kirchentür fiel hinter ihr ins Schloss. Andächtig schaute sich Pauline um. Nur zwei dunkle Gestalten, zwei alte Frauen in langen schwarzen Gewändern, saßen in den Bänken. Das Licht der Sonne fiel durch die hohen Fenster in die Kirche und gab diesem Ort eine feierliche und geheimnisvolle Atmosphäre. Die hohen steinernen Wände und der Marmorboden waren glatt und kalt. Gelegentliches ...

Aktuelles