Nostalgie bezeichnet eine Sehnsucht, eine lustvolle oder pathologisch erlittene Hinwendung und Fixierung auf Vergangenes, die individuell oder kollektiv verfolgt und erfahren werden kann. Der Begriff geht auf einen schweizerdeutschen Neologismus aus dem 17. Jahrhundert zurück, der sich von dem griechisch-lateinisch nostalgia (Heimweh) ableitet – ein Kompositum, das gebildet wurde aus den griechischen Wörtern νόστος nóstos für "Rückkehr","Heimkehr", und ἄλγος álgos, "Schmerz", "Not", "Trauer". Nostalgia meint zunächst, wörtlich übersetzt, das "schmerzhafte Verlangen nach Heimkehr".[1]
Erstmals genannt im Umfeld des Militärs benennt Nostalgia im 17. Jahrhundert eine Krankheit. Mit dem Neologismus bezeichnete der Schweizer Arzt Johann Jakob Harder (1656–1711) ein Heimweh, das die Schweizer Söldner von Ludwig XIV. in der Fremde befalle.[2] Synonym verwendete Harder die Wörter »philopatridomania« ("wahnsinnige Liebe zur Heimat") und pothopatridalgia (»Schmerz, die Heimat leidenschaftlich zu begehren«). Ein Schüler Harders, der elsässische Arzt Johannes Hofer (1669–1752), widmete dem Basler Arzt seine Dissertatio cvrioso-medica, de Nostalgia, vulgo Heimwehe oder Heimsehnsucht (Basel 1688). Hofer stellte das Phänomen mit "kuriosen" Fallgeschichten dar und popularisierte so Harders Neologismus.[3] Als Diagnose hatte sich Nostalgie in der Militärmedizin so sehr durchgesetzt, dass es noch im 18. und 19. Jahrhundert in den französischen Regimentern verboten war, den Kuhreigen zu singen, weil er die Schweizer Söldner zur Fahnenflucht oder zum Suizid dränge.[4][5.1][6] Noch bis ins späte 19. Jahrhundert wurde Nostalgie als räumliches Phänomen, Heimweh, aufgefasst. Nostalgie wurden bis zum Ersten Weltkrieg in den Lazaretten diagnostiziert. Erst im 20. Jahrhundert wurde aus der Diagnose Nostalgie, der Melancholie und Krankheit zum Tode, ein Gefühl, eine Sehnsucht, ein Stil, eine Lebensweise, eine ästhetische, kulturelle oder politische Haltung.
Quelle: Wikipedia