Als Kolonialismus wird die dauerhafte Inbesitznahme von Territorien und die Unterwerfung, Vertreibung oder Ermordung der dort ansässigen Bevölkerung durch eine auswärtige Macht bezeichnet. Kolonisten und Kolonialisierte stehen einander dabei kulturell in der Regel fremd gegenüber, was bei den Kolonialherren im neuzeitlichen Kolonialismus mit dem Glauben an eine kulturelle Überlegenheit über die sogenannten „Naturvölker“ und teils an die eigene rassische Höherwertigkeit verbunden war.[1] Diese Vorstellung wurde durch frühe Theorien einer soziokulturellen Evolution gestützt. Die Kolonisierung der Welt durch europäische Nationen war sowohl Folge als auch Triebkraft der Ideologie des Eurozentrismus.[2] Als Akteure beteiligten sich Privatleute, Firmen und Staaten, die Kolonialisierungen zunächst meist förderten oder absicherten. Auf längere Sicht gerieten die eingerichteten Kolonien fast alle in staatliche Hand.
Der Ausdruck Kolonialismus bezeichnet neben dem politischen Sachverhalt der Kolonialherrschaft auch eine historische Phase, die Kolonialzeit bzw. das Zeitalter des Kolonialismus, das im Spätmittelalter und früher Neuzeit beginnt: Nachdem zunächst die Portugiesen auf der Suche nach einem Seeweg nach Indien ab 1415 Stützpunkte außerhalb Europas in Besitz genommen hatten, bildeten europäische Mächte seit der ersten Amerikareise von Christoph Kolumbus 1492 Kolonialreiche in Übersee: neben Portugal und Spanien bald auch die Niederlande, England und Frankreich. Der Kolonialismus ging mit der europäischen Expansion einher. Im Zuge der Amerikanischen und der Französischen Revolution erklärten erste Kolonien ihre Souveränität gegenüber ihren jeweiligen Kolonialmächten: die USA 1776, Haiti 1804 und die meisten lateinamerikanischen Länder zwischen 1809 und 1825. Dennoch erreichte die Aufteilung der Erde unter den europäischen Mächten im 19. und 20. Jahrhundert ihren Höhepunkt. Die Zeit des Spätkolonialismus war von neuen geopolitischen Akteuren geprägt, darunter auch ehemalige Kolonien selbst. Am Wettlauf um die koloniale Aufteilung Afrikas waren schließlich auch Belgien, Italien und Deutschland beteiligt; in Asien suchte vor allem Russland zu expandieren; und an der Wende zum 20. Jahrhundert kamen die USA und Japan als Kolonialmächte hinzu. Im Zeitalter des Imperialismus, für das der Kolonialismus prägend war, stellten wirtschaftliche Gewinnerwartungen, die Sicherung künftiger Rohstoffbasen aber auch Machtrivalitäten und Prestigefragen wichtige Motive für den Erwerb außereuropäischer Besitzungen dar. Erst der Zweite Weltkrieg (1945) und die Gründung der Vereinten Nationen als Organisation gleichberechtigter und gleichwertiger Staaten leiteten die allmähliche Entkolonialisierung ein. Die Dekolonisation Afrikas etwa erfolgte größtenteils zwischen 1960 und 1975. Wegen neuer oder weiterhin bestehender Abhängigkeiten und bis heute anhaltender imperialistischer Bestrebungen spricht man für die ausgehende und die Nach-Kolonialzeit aber auch von postkolonialen und neokolonialen Verhältnissen.
Quelle: Wikipedia