Helene Weigel (eigentl. Weigl, * 12. Mai 1900 in Wien, Österreich-Ungarn; † 6. Mai 1971 in Ost-Berlin) war eine österreichisch-deutsche Schauspielerin und Intendantin des Berliner Ensembles. Ihre Bedeutung für das Gegenwartstheater geht auf ihr ungewöhnliches schauspielerisches Talent und die später daraus entwickelten Darstellungstechniken für das epische Theater ihres Ehemannes Bertolt Brechts zurück. Ihr leises erzählendes Spiel mit reduzierter Gestik war in der Weimarer Republik auch ein Gegenentwurf zur lautstarken NS-Propaganda. Als weitere große Leistungen gelten Aufbau und Erhalt des Berliner Ensembles mit dem eigenen Haus „Theater am Schiffbauerdamm“, der Schutz von Brechts Werk vor Zensur, die umfangreiche Dokumentation von Brechts Arbeit sowie die in Zusammenarbeit mit dem westdeutschen Suhrkamp-Verlag betriebene Gesamtausgabe.
Helenes Vater Siegfried Weigl[1] war zunächst Korrespondent, dann (bis 1938) Prokurist des Textilunternehmens „Hermann Pollack’s Söhne“, ihre Mutter Leopoldine Weigl, geborene Pollak, (unter ledigem Namen) Inhaberin einer Spielwarenhandlung (Schottenring 5, Wien-Innere Stadt). Beide stammten aus jüdischen Familien und waren vor Helenes Geburt aus Mähren nach Wien gezogen, wo sie im April 1893 ihre Verlobung anzeigten.[2] Helenes Familie wohnte zunächst in der Heßgasse 7, Wien-Innere Stadt, ab 1913 in der Berggasse 30, Wien-Alsergrund, einem jüdisch geprägten Umfeld, in dem im Haus Nr. 19 Sigmund Freud praktizierte.[3] Einen starken Einfluss auf Helene Weigel hatte das Realgymnasium der österreichischen Reformpädagogin Eugenie Schwarzwald. Als Mädchenrealgymnasium bot es die erste Möglichkeit für Frauen in Österreich, die Matura zu machen. Die dort vermittelte Mischung aus hausfraulicher Fachkenntnis und emanzipatorischen Gedanken sind – folgt man etwa Sabine Kebirs Weigel-Biographie – auch Grundlage von Helene Weigels Toleranz für Brechts immer neue Frauenaffären. In Eugenie Schwarzwalds Schule sei Helene Weigel in einer „beginnenden Bewegung sexueller Liberalisierung“[4] aufgewachsen.
Quelle: Wikipedia