Klage über die Zeit

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Einst dacht‘ ich, ich wär allmächtig und klug,
Doch jetzt merk‘ ich erst, ich lag bloß im Trug,
Dass jemals was mächtiger sei als mein Gott,
Der alles erschuf und der alles verrot.

Das mächtigste was uns hier bleibt ist die Zeit,
Begrenzt und nicht käuflich sie ist unser Leid,
Sie hilft nicht, sie sagt nicht, sie gibt sich nicht Preis,
Sie sagt uns bloß, dass keiner von ihr weiß.

Zeit weilt nicht Zeit gibt nicht Zeit ist gesetzt,
Sie stockt nicht sie hört nicht nur weil man sich fetzt,
Sie ist ein Konstrukt, was uns alle gleich schätzt,
Sie ist unsere Angst, die uns immer hetzt.

Gegen die Zeit kommen wir Menschen niemals an,
Denn sie kommt vom Himmel und der Hölle heran,
Zeit schenkt uns Liebe und Hoffnung hinzu,
Doch dann nimmt sie das alles dir schon im Nu‘.

Akzeptiere die Zeit und das Konstrukt drumherum,
Ansonsten stirbst du kläglich und dumm,
Nutz jeden Augenblick denn eins ist klar,
Die Zeit wartet nicht auf dein tolles Jahr.

Sie schreitet voran und schreitet nur vor,
Zeit nimmt und gibt dir wie immer im Chor,
Versuch nicht zu leugnen, dass Angst dich plagt,
Denn dumm wärst du sehr, wenn du die nicht vermagst.

Du weißt nicht, wann Anfang und Ende hier ist.
Du weißt nur, dass irgendwann Schluss mit dir ist,
Drum nutze sie weise und gib auf sie acht,
Denn tust du das nicht, steht es Schachmatt.

Sie wird dich dann kriegen, denn jeden kriegt sie.
Versuch es erst nicht, mit dem lästigem „flieh“,
Du hast sie verwirkt, deine Lebenszeit,
Nun wirst du verstehen, was Hölle heißt.

Familie und Freunde gehen von dir,
Alles Glück in der Stille voll Gier,
Du hattest die Wahl und hast dennoch versagt,
Drum nutz deine Chance und nutz jeden Tag.


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lesering
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