Der Schweizer Philosoph und Schriftsteller Peter Bieri (alias Pascal Mercier) ist im Alter von 79 Jahren gestoben. Dies teilte der Hanser-Verlag am Dienstag mit. Demnach starb der Autor in Berlin, wo er zuletzt gewohnt hatte. Bieris bekanntester Roman ist der Welt-Besteller "Nachtzug nach Lissabon".
Der Roman erschien 2004 und wurde zu einem Welterfolg. Bieri schrieb darin von einem Altsprachenlehrer, der eines Tages aus dem monotonen Trott seines Lebens ausbricht und sich auf eine abenteuerliche Sinnliche begibt. Der millionenfach verkaufte Roman wurde weltweit zu einem der meistverbreiteten Bücher eines Schweizer Autors. Laut Verlagsangaben wurden Übersetzungsrechte in mehr als 40 Sprachen vergeben.
alias Pascal Mercier
Bieri veröffentliche fünf Roman sowie zahlreiche philosophische Schriften. Um keine Rückschlüsse auf seinen akademischen Beruf zuzulassen, veröffentlichte er die belletristischen Werke dabei von Beginn an unter dem Pseudonym Pascal Mercier. Sein Debütroman "Perlmanns Schweigen" erschien 1995 beim btb Verlag. Dass es sich bei dem Namen Pascal Mercier um ein Pseudonym handle, wurde bereits mit seinem zweiten Roman "Der Klavierstimmer" bekannt. Dennoch behielt Bieri den Namen als Romancier bei. Sein letzter Roman, "Gewicht der Worte", erschien 2020.
Nähe zur Philosophie
Bieris philosophische Überlegungen, die er in zahlreichen Publikationen darlegte, flossen stets auch in seine literarischen Werke ein. Das 2013 erschienene, philosophische Buch "Eine Art zu leben: Über die Vielfalt menschlicher Würde" zählt zu seinen Hauptwerken und wurde zu einem Sachbuch-Bestseller.
Der Verleger Jo Lendle sagte auf die Nachricht des Todes, man verliere mit Bieri einen großen Denker und Romancier. "Peter Bieri hat in eigenem Namen und unter seinem Nom de Plume ein Leben lang gezeigt, wie sich Gedanken und Geschichten gegenseitig beflügeln: Der Philosoph hat vom Erzähler gelernt - und umgekehrt bringen seine Romane die großen Menschheitsfragen zum Leben. Seine Bücher bleiben. Wir sind ihm dankbar dafür.", so Lendle
Peter Bieri
Peter Bieri wurde 1944 in Bern geboren. Nach der Matura studierte er Altphilologie an Universität Bern, welches er jedoch vorzeitig abbrach, um wegen einer Liebesbeziehung nach London zu ziehen. Anschließend studierte er Philosophie, Anglistik und Indologie an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. 1971 wurde er mit einer Dissertation zur Philosophie der Zeit des englischen Philosophen John McTaggart Ellis McTaggart promoviert. Die Doktorarbeit erschien 1972 unter dem Titel "Zeit und Zeiterfahrung. Exposition eines Problembereichs" beim Suhrkamp-Verlag.
1995 debütierte Bieri als Literat mit dem Roman "Perlmanns Schweigen". Sein 2004 veröffentlichter Roman "Nachtzug nach Lissabon" wurde zum Welt-Bestseller. 2007 zog er sich vorzeitig aus dem akademischen Beruf zurück. Dabei kritisierte er einen von Drittmitteln dominierten Universitätsbetrieb sowie das Wissenschaftsmanagement als "Diktatur der Geschäftigkeit".
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