Zu den hervorstechenden Eigenschaften, die man dem vor zehn Jahren, am 13. Dezember 2011, in Magdeburg gestorbenen Schriftsteller Heinz Kruschel nachsagt, gehörten sein freundliches Wesen und sein kritischer Geist. Schon deshalb könnte einer seiner Buchtitel auch für den Menschen und Autor Heinz Kruschel selber stehen – „Gesucht wird die freundliche Welt“.
In einem Nachruf hatte seine Schriftstellerkollegin Dorothea Iser geschrieben: „Kruschel hat sich nicht geschont. Er wollte wirksam sein, die Dinge bewegen, wie es seine Bücher tun. Er förderte junge Poeten und schreibende Arbeiter, kümmerte sich um Schaffensprobleme und um Wohnungsnöte der Kollegen, setzte sich für sie ein und bezog einen klaren Standpunkt im Verband der Schriftsteller, in den Verlagen und später auch in den Vereinen.“
In seinem erstmals 1976 veröffentlichten Roman „Gesucht wird die freundliche Welt“ hatte Kruschel wohl zum ersten Mal in der DDR-Literatur den Umgang mit straffällig gewordenen Jugendlichen thematisiert: Sabine Wulff reißt von zu Hause aus und lebt mit Jimmy zusammen, der sie zum Zigarettendiebstahl verleitet. Dafür muss sie in den Jugendwerkhof. Nach der Entlassung möchte sie ein neues Leben beginnen. Unter dem Titel „Sabine Wulff“ wurde das das Buch zwei Jahre später von der DEFA mit Karin Düwel in der Hauptrolle verfilmt (Drehbuch und Regie: Erwin Stranka). Bei EDITION digital liegen insgesamt 30 seiner Bücher als E-Books vor. Diese sind unter edition-digital.de sowie im stationären und Online-Buchhandel zu haben. Dazu gehören der Roman „Sabine Wulff – Gesucht wird die freundliche Welt“, die Jugendbücher „In Wulnitz ist nichts los“ (1961), „Mein Elftes Schuljahr“ (1971) und „Endlich ein Mann sein“ (1987) sowie die Reportage „Winterreise in den Sommer“ (1967) und der Essay „B.B., der Augenmensch. Gedanken über den Maler Bruno Beye“ (2002).
Heinz Kruschel
Heinz Kruschel wurde am 8. Oktober 1929 als Sohn eines Bergmanns und späteren kaufmännischen Angestellten der Staßfurter Salzbergwerke in Leopoldshall geboren. Nur knapp entging er dem für seine Generation typischen Schicksal, in den letzten Kriegstagen zum „Volkssturm“ eingezogen zu werden. Nach einer Lehre als Modelltischler sollte er auf Beschluss seiner Partei, in die er jung eingetreten war, Neulehrer werden, und studierte 1949/50 am Lehrerbildungsinstitut in Staßfurt. Anschließend wirkte er von 1950 bis 1958 als Lehrer in Sandersdorf, Magdeburg und Egeln.
Nach einem Fernstudium der Germanistik war Kruschel bis 1961 Direktor einer Erweiterten Oberschule in Havelberg. Von 1961 bis 1963 arbeitete er als Journalist und Kulturredakteur bei der „Volksstimme“ in Magdeburg, wo er ab 1963 als freier Schriftsteller lebte. In den 1960er Jahren bereiste er unter anderem Ungarn, Bulgarien, Usbekistan und Kuba.
Sein Roman „Das Mädchen Ann und der Soldat“ wurde 25 Jahre lang immer wieder neu aufgelegt, während Bücher wie „Der Mann mit den vielen Namen“ oder „Leben. Nicht allein“ erst nach erbitterten Debatten mit jenen Behörden, die Literatur zu genehmigen hatten, erscheinen durften. Kruschel wurde mehrfach ausgezeichnet, so 1973 mit dem Erich-Weinert-Preis der Stadt Magdeburg, 1974 mit dem Orden „Banner der Arbeit“ und 1980 mit den Vaterländischen Verdienstorden. Er ist der Vater des Schriftstellers Karsten Kruschel.
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