Oliver Leitsberger - "Begegnung mit Minister Kurz" Hinter den Fassaden der Regierung

Oliver Leitsberger liefert mit "Begegnung mit Minister Kurz" einen flüchtigen und interessanten Blick in den Maschinenraum außenpolitischer Verhandlungen Bild: Oliver Leitsberger

Im Alter von 22 jähren beginnt Oliver Leitsberger eine Verwaltungslehre im österreichischen Außenministerium. Vordergründig ist es nicht die Lust am Politischen, sondern eine gewisse journalistische Neugierde die ihn treibt. In seinem Buch "Begegnung mit Ministier Kurz" fasst er seine Erfahrungen in 15 knappen Berichten zusammen.

 

"Ein Pionier war ich. Ein Vorreiter, der sich seinen Weg über scharfkantiges Geröll, durch tiefe Schluchten und dichte Wälder erst erarbeiten musste.", so beginnt das Kapitel "Mit Sakko & Spitzenschuhen" aus Oliver Leitsbergers Bericht "Begegnung mit Minister Kurz". Mit 22 Jahren begann dieser eine Verwaltungsleere im Außenministerium. Er war der älteste unter den Lehrlingen.

"Begegnung mit Minister Kurz" erzählt in 15 Kapiteln die Geschichte eines jungen Mannes, der voller Tatendrang und mit dem glauben, die Welt ein kleines Stückchen besser machen zu können, in eine politische Welt einsteigt. Karriere, so erfahren wir schnell, will Leitsberger nicht machen; weder im Außenministerium noch im Staatsdienst. Es ist die Neugierde die ihn treibt, die Möglichkeit, einen Blick hinter die politische Bühne zu werfen.

Politischer Alltag

Wir erfahren von den täglichen Aufgaben eines Lehrlings im Außendienstministerium, von "Geheimdienstkram", Auslandsaufenthalte und schließlich den Tätigkeiten der OSZE, die in dem jungen Lehrling Leitsberger schnell den Eindruck hinterlassen, er befände sich in einem "Politthriller von Tom Clancy". Höhepunkt der Berichterstattung ist wohl das titelgebende Zusammentreffen mit Minister Kurz, der in der Wiener Hofburg die erste Pressekonferenz als angehender Vorsitzender der ÖVP abhält.

"Journalisten aus allen Winkeln der Erde waren geladen und verfolgten das Geschehen mit ihren Kameralinsen und Diktiergeräten. All die hochrangigen Vertreter der OSZE und ihrer Teilnehmerstaaten saßen oder standen im großen Konferenzsaal und lauschten den Stimmen der Übersetzer in ihren Ohren, die Augen hoffnungsvoll auf den Minister gerichtet."

Auch die Aggressionen und Rangkämpfe, die sich innerhalb politischer Gefilde in unterschiedlicher Weise äußern, kommen in Leitsberger Bericht zum Vorschein. So schriebt er in dem Kapitel "Arbeitspsychologin" über den Wutausbruch einer Kollegin, die nicht ertragen konnte, dass der Lehrling ihren Wünschen nicht nachkam. Letztlich landet er bei der Arbeitspsychologin, in einem wohltuenden Gespräch über das ausgepowerte Personal und die allgemeine Überanstrengung. Das vorletzte und den Bericht abschließende Kapital ist mit "Pflicht zum Ungehorsam" überschrieben, und rekurriert auf das Werk "Über die Pflicht zum Ungehorsam gegenüber den Staat" von Henry David Thoreau.

Oliver Leitsberger liefert mit "Begegnung mit Minister Kurz" einen flüchtigen und interessanten Blick in den Maschinenraum außenpolitischer Verhandlungen, bleibt dabei allerdings auf der bloßen Mitteilungsebene. "Begegnung mit Minister Kurz" ist formal kein literarisches Werk, sondern ein Journal. Leitsberger schreibt ein sprachlich aufgearbeitetes Erinnerungsprotokoll, welches sachlich durch die unterschiedlichsten politischen Segmente führt. Wer dabei aber psychologische und reflexive Eingebungen erwartet, wird hier nicht fündig werden.


Oliver Leitsberger: "Begegnung mit Minister Kurz"; story.one publishing, 2021, 72 Seiten, 14 Euro

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