Als Bildungsbürgertum oder Bildungsbürger wird eine einflussreiche Gesellschaftsschicht bezeichnet (Bildungsschicht, heute auch Bildungselite), die humanistische Bildung, Literatur, Wissenschaft und Engagement in Staat und Gemeinwesen für sehr wichtig erachtet und pflegt. Das europäische Bildungsbürgertum entstand Mitte des 18. Jahrhunderts vor allem unter evangelischen Pfarrern, Professoren, Ärzten, reichen Kaufleuten und leitenden Beamten.
Die gesellschaftliche Relevanz, die dem Bildungsbürgertum als Deutungselite kultureller Erscheinungen zukam, beruhte in großem Maße auf der dominanten Stellung sowohl in Universitäten und Schulen, wie auch in der Produktion und Verbreitung öffentlicher Meinungen (durch Presse und Literatur). Dabei baute das Bildungsbürgertum auch Bildungs- und Sprachbarrieren auf, die es zu einer elitären Schicht werden ließen, zu der Ungebildete nur schwer Zutritt gewannen. Mitunter aus dieser Milieubeschreibung heraus stammt Pierre Bourdieus im 20. Jahrhundert entwickeltes Konzept des kulturellen Kapitals. Andererseits übernahmen Bildungsbürger oft auch Verantwortung für die Gemeinschaft, ihre Erziehung und Kultur. Das Bildungsbürgertum ist nur eine von vielen Spielarten des Bürgertums, die sich mit anderen überschneidet, sodass es nicht isoliert (etwa von beruflichen, wirtschaftlichen oder politischen Aspekten) betrachtet werden kann.
Quelle: Wikipedia