Übrigens, Demokratie. "Wir wollen Sie umarmen"

Quelle: Wikipedia
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Nieder mit dem Widerspruch, gottverdammter Widerspruch...

...Presse, Kunst, Medien, diese Steine-in-den-Weg-Leger, diese Hampelmänner, die nicht springen wollen wenn wir pfeifen, die man schubsen muss, treten zur Not! Wir wollen doch nichts weiter, als einheitlich und einfach, in aller Ruhe unsere klar umrissenen Ziele verfolgen. Das "Anders-Denken", das "Anders-Fühlen", das "Alles-Komplizierter-Machen" narkotisieren; um ganz in Ruhe auszusortieren, was eben auszusortieren ist. Doch wollen wir dabei nichts überstürzen, nicht gleich so klare Worte finden. Immer langsam mit den jungen Pferden und bitte, bitte die Kirche im heimatbewusstem Dorfe lassen. Uns scheint, man übersieht gar allzu schnell den wirklich demokratischen Geist unserer von uns selbst als "wirklich demokratisch" deklarierten, antidemokratischen Vorgehensweise.

Übrigens, Demokratie. Ein schönes Wort. Ein schönes Wort ist das, Demokratie. Und wie es sich eben mit allen schönen Wörtern verhält, so verhält es sich auch mit dem Wort Demokratie: man kann es nach belieben mit seinen eigenen Narrativen füllen, nachdem es seinen ursprünglichen Inhalt eingebüßt hat. Demokratie, ein Wort, welches wir ausgekratzt haben, wie ein Jogurtbecher. So lasst ihn uns füllen, den Becher, wir alle gemeinsam. Autokratisch füllen. Demokratie? Autokratie? Nun ja, da ändert sich ja nur der Anfang, das "kratie" bleibt ja dasselbe. Und bitte, bitte liebe Großstadt-Skeptizisten, Sie wissen doch: Wichtig, ist immer nur der "Abgang".

Nieder mit der Kunst- und Pressefreiheit, nieder mit dem Widerspruch, nieder mit den Dissidenten! Wir wollen Sie nicht niederflügen, liebe Bürger, nicht ummodelieren, nein. Wir wollen Sie nur verunsichern. Wir wollen, dass sie glauben: "Denen kann man nicht glauben". Und ach ja, übrigens, Satire; Satire sind wir auch, haben wir immer schpn gemacht, immer mal wieder, etwa als wir sagten: "Kopftuchmädchen". Sekündliche Satire, sozusagen, immer dann, wenn es brenzlich wird. Aber der rechte Bürger (also der, der auf dem rechten Wege ist (also der rechtens ist (der Rechte, sozusagen))), der versteht das ja alles. Der ist in der Lage, unsere satierischen Showeinlagen einzuschätzen und abzuwägen, der fühlt sich zuallererst lustig unterhalten und nickt mit und trinkt Bierchen, und nur ganz tief in ihm, irgendwo vielleicht, da brennt ein kleines Lichtlein auf, das flüstert: "Ja, Kopftuchmädchen, hach, ja, stimmt ja aber, haben die ja auch auf, ein Kopftuch...".

Wir wollen Sie umarmen. Wir wollen, dass es ihnen gut geht, endlich wieder gut geht, in diesem furchtbaren, kältedurchzogenen Deutschland. Wir wollen, dass Sie Ihren Jogurtbecher kaufen können, ohne in der Kassen-Warteschlange von der Frage zermartert zu werden, welch ein hübsches, junges Madel sich wohl unter dieser "Robe" dort vor Ihnen versteckt. Einen schönen, deutschen Kuhmilch-Jogurt, den haben wir Ihnen versprochen, den sollen Sie haben. Und darum, zunächst: Nieder mit den Dissidenten und Streusalz ins Pressegetriebe! Nicht schlimm, wenn dabei das kleine Lichtlein abermals aufleuchtet und sich fragt: "Wo wohnen diese Spaßvögel eigentlich, die uns hier die Tour versauen wollen, hä? Die muss man doch ausfindig machen können: Berherrschen. Verstummen. Abschalten. Enteignen. Denunzieren. Bekämpfen. Vertreiben. Zensieren. Bestrafen. Verklagen..."


Anmerkung: Dieser Text ist als Kommentar auf einen von dem Autor/Blogger Schlecky Silberstein am Montag veröffentlichten Beitrag zu lesen.

 

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