Nominiert für den Deutschen Buchpreis 2018 Die Katze und der General

FVA
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Da ist er! Der neue Roman von Nino Haratischwili: "Die Katze und der General". Ein Schuld und Sühne Roman erster Klasse über den Ersten Tschetschenienkrieg im Jahre 1994-1996.

Nino Haratischwili (Jahrgang 1983) stammt aus Georgien und lebt in Hamburg. Sie schreibt nicht nur Romane sondern ist auch als Theaterregisseurin und Dramatikerin tätig. Mit ihrem aktuellen Roman ist sie prompt auf der Longlist des deutschen Buchpreises gelandet. Der Roman lehnt grob an einer realen Geschichte an. Nino Haratischwilli hat sich mit der 2006 in Russland ermordeten Journalistin und Menschenrechtsaktivistin Anna Politkowskaja auseinandergesetzt. Politkowskaja setzte sich für Menschen ein, die ihr Leben im Krieg in Tschetschenien verloren haben. Ein Buch von Politikowskaja hat Haratischwili nicht mehr losgelassen. Sie hat diesen Stoff mit ihrem Roman "Die Katze und der General" aufgearbeitet.

Ruhe

Nun - eigentlich würde Nora gerne hinaus in die Welt. Doch die Realität hält sie in einem kleinen tschetschenischen Dorf fest, welches vom Krieg nicht unberührt blieb. Nora wird Zeuge eines Verbrechen. Ein Verbrechen begangen durch die Willkür des Krieges. Vier russische Soldaten, welche sich eigentlich in das Dorf zurückgezogen haben, um sich vom Krieg auszuruhen. Doch das Ausruhen gelingt ihnen nicht. Der Krieg tobt unaufhaltsam in ihnen weiter und gibt keine Ruhe. Diese Ruhe ist unteranderem auch das, was Nino Haratischwili so gefesselt hat. Krieg in der Ruhe.

Wieso?

Dieser Frage widmet sich Nino Haratischwili. Sie möchte die Handlung des Verbrechen nachvollziehen können. Dabei analysiert sie die Soldaten aus psychologischer Sicht und berichtet sehr einfühlsam über sie. Erzählt wortgewaltig von deren Vergangenheit, von ihrem Selbsthass, den sie in sich tragen. Dabei wirft Nora Haratischwili die Frage in den Raum: Wieso handelt der Mensch so bösartig in einem rechtsfreien Raum?

Schuld und Sühne

Der Roman dreht sich auf knapp 800 Seiten um die Tat und deren Folgen. Ein Buch, das unbedingt gelesen werden sollte. Es verdeutlicht die Perversion des Krieges auf eine tiefgreifende Art. Nino Haratischwilli gelingt mit teilweise viel Pathos, eine Welt zu erschaffen, in die der Leser sich hineinfallen lassen kann.

Nino Haratischwili: "Es geht ja auch um die Frage, was passiert mit Menschen in rechtsfreien Räumen? Wo es keine Strafe gibt, wo es keine Instanz gibt, die irgendwas regelt. Wo alle zivilisatorischen Absprachen, auf denen unsere Gesellschaften basieren, die werden plötzlich aufgehoben. Und wodurch wird das ausgelöst?"

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