Zwangsarbeiter im Nachkriegsdeutschland Sie kam aus Mariupol

Rohwohlt Verlag
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Der Biografienroman „Sie kam aus Mariupol“ von Natascha Wodin erzählt auf eindrucksvolle Weise das Leben von im Nachkriegsdeutschland gebliebenen Zwangsarbeitern. Das Buch erschien am 17.02.2017 beim Rowohlt Verlag.

Die Schriftstellerin Natascha Wodin, Jahrgang 1945, ist eine in Berlin und Mecklenburg lebende deutsche Schriftstellerin mit ukrainischen Wurzeln.

Sie wuchs als Kind von deutschen Zwangsarbeitern im Nachkriegsdeutschland in Bayern auf. Ihr Romandebüt erfolgte 1983 mit „Die gläserene Stadt“. Im Frühjahr 2017 erhielt sie verdient für „Sie kam aus Mariupol“ den Alfred -Döblin-Preis auf der Leipziger Buchmesse verliehen.

In Ihrem Roman begibt sich Wodin auf die Spurensuche nach ihrer Mutter. Wo kam sie her? Wer war sie? Ihre Mutter war gebürtige Ukrainerin die 1943 wie viele ihrer Landsleute in Deutschland als Zwangsarbeiter landete. Sie hatte mit ihren Kindern nie über ihre Herkunft oder Vergangenheit gesprochen. Sie war eine traurige Frau, die sich schlußendlich das Leben nahm. Wodin hat sich in diesem Roman akribisch mit dem Wiederfinden der Biografie ihre Mutter auseinandergesetzt. Es ist ihr gelungen in Rückblenden die Geschichte aus einer anderen Zeit mit ihrem eigenen Leben zu verknüpfen. Der Anfang ihrer Recherche war recht dünn und es gab bis auf ein paar Bilder wenig Informationen- behaarlich blieb die Autorin am Ball und verfolgte die kargen Spuren. Mit Hilfe des Internets und eines fleissigen russischen Ahnenforschers gelang es ihr schließlich, Informationen über ihre Mutter und deren Familie zu gewinnen. Das schreckliche Schicksal dieser Familie, die als Beispiel für so viele gebrochene Familienbiografien durch die drastischen politischen Umbrüche des 20. Jahrhunderts stehen kann, gibt dem Roman eine Tiefe, der sich der Leser nur schwer entziehen kann.

Inhalt

Natascha stellte sich schon als Kind die Fragen: warum war sie im Deutschland der Nachkriegszeit eine Displaced Person?; warum lebten sie so arm und warum wurde sie in der Schule gehänselt? Ihre Mutter sprach nie über ihre Vergangenheit und war eine phsychisch kranke Frau, die sich das Leben nahm als Natascha gerade einmal 10 Jahre alt war. Als gestandene Frau gelingt es Wodin endlich erfolgreich ihre Wurzeln zu finden. Nataschas Mutter wird 1920 als Jewgenia in Mariupol in eine Adelsfamilie hinein geboren. Ihr Vater wurde zu zaristischen Zeiten zu 20 Jahren Verbannung als Revolutionär verurteilt. Die Mutter entstammte einer wohlhabenden großbürgerlichen italienischen Familie ais Mariupol. Mit der Geburt der kleinen Jewgenia war von all dem adligem Reichtum nichts mehr übrig. Das Land befand sich im Bürgerkrieg- es herrschte Hunger und Mangel. Wie ihre Mutter letzlich als Zwangsarbeiterin in Deutschland ankam, bleibt unbeantwortet.

Das Internet macht´s möglich: und so tauchen immer mehr Verwandte von Natascha auf und sie erfährt vom Schicksal des Onkels- einem erfolgreichen Opernsänger und von ihre Tante Lidia- einer Intellektuellen, die als junge Frau zu 5 Jahren Zwangsarbeit in Kasachstan verurteilt wurde. Diese schrieb an ihrem Lebensende mit 80 Jahren ihre Memoiren in der Nähe von Moskau. Durch die Memoiren ihrer Tante konnte die Autorin weite Zusammenhänge in ihrer Familiengeschichte herstellen.

Der Roman endet mit dem Gefühl des Glücks über die gewonnenen Erkenntnisse und zugleich bedrückend durch die nicht enden wollenden Dramen, die sie recherchierte.






Fazit

Absolut lesenswert! Ein Teil deutscher Gechichte - die vielen Toten durch deutsche Kriegsgegangenschaft und die vielen Zwangsarbeiter, ein Stoff dem sich nach wie vor stiefmütterlich in unserem Land gewidmet wird.

 

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